Thomas Rosen




Laras Geheimnis!

‚ÄĒ¬†

Liam! Jetzt komm schon!!!
Mutter hat schon zum Essen gerufen.

Glaaaeeich!
Ich goss noch schnell die Möhren und rannte ins Haus.

Im Eingang sah ich meine Schwester mit einem Teller Kresse stehen. The fuck macht die mit Kresse? Und warum im Eingang! Ich kann nicht mehr anhalten ‚ÄĒ eine Sekunde sp√§ter rannte ich in Lara.
Ich viel hart mit dem Gesicht zum Boden. ‚ÄĒ Alles schwarz.

Laaaangsam wurde ich wach. Idk wie lange ich geschlafen hatte.
War es nicht gerade noch Mittagessens Zeit?

Etwas verwirrt blinzelte ich und machte die Augen auf.
Das war nicht mein Bett.
Btw, wo drauf lag ich bitte? Das ist auch keine angenehm weich-harte Matratze … das ist steinhartes Papier.

Zwei Meter entfernt hörte ich was stöhnen. Ich drehte meinen Blick und sah Lara.

"Was ist das hier?", fragte ich sie erstaunt. Von ihr bekam ich nur ein "Was hast du wieder getan" zur√ľck.

Gute Frage ‚Ķ wie kamen wir hier √ľberhaupt hin? Ich hab die M√∂hren gegossen, bin zum Essen gerannt und in Lara gestolpert.
Aber the fuck?! Wie kommen wir dann jetzt hier hin??

Mittlerweile saß ich und schaute mir die Gegend an. Der ganze Boden war weiß. An ein paar Stellen nass glänzend, ansonsten alles hartes Papier.
Wir mussten auf einer Lichtung sein. Denn wir waren von der weirdesten Art Baum umringt, die ich mir hätte ausdenken können. Wie soll sowas bitte hoch hinauswachsen?
Ein langer d√ľnner Stamm mit ein paar riesigen Bl√§ttern in der Krone. Die B√§ume waren aber nicht alle einfach gerade nach oben gewachsen. Es war das reinste Dickicht. Alle kreuz und quer. Einige wuchsen sogar auf dem Boden entlang.

Lara half mir hoch und wir spazierten ein bisschen durch dieses Wald-artige-Etwas. Was sollten wir auch ansonsten tun?

Es war weirdly still. Nur ein bisschen Luftrauschen durchs Blätterdach.
Okay, eins gab es, was lauter war: Lara, wie sie versuchte einen Stamm hochzuklettern und mit lautem Plums wieder hinunter fiel. Aber nat√ľrlich schreckte das sie nicht ab. Zwei Sekunden sp√§ter kletterte sie einen anderen Stamm hoch, setzte sich und glitt wie auf einer perfekten Rutsche sanft den Stamm runter.

Nat√ľrlich lie√ü ich mir den Spa√ü nicht entgehen! Wir rutschten, kletterten und vielen runter. In einigen feuchteren Stellen des Bodens konnten wir Trampolinspringen. Und es f√ľhlte sich an, als w√§ren wir in einer fantastischen Welt voller Wunder und Abenteuer. Ich war bereit, jede Ecke zu erkunden.

Irgendwann blieben wir beide erschöpft auf dem Boden liegen und starrten in den Himmel. Die Sonne schien durch die Blätter und tauchte alles in ein warmes Licht.

"Das ist so surreal", sagte ich leise.

Lara nickte zustimmend. "Aber irgendwie auch mega fancy."

Wir schwiegen eine Weile und genossen die ungewöhnliche Umgebung.

Doch pl√∂tzlich h√∂rten wir ein seltsames Ger√§usch, das sich wie ein lautes Schnurren anh√∂rte. Wir drehten uns um, konnte aber nichts erkennen. Das Schnurren wurde lauter. Wir sahen immer noch nichts. Jetzt wurde es auch noch dunkel. Und fing an zu regnen?? Jedenfalls war ich gerade in diesem Moment vollkommen nass geworden. Mein Gesicht war ganz von einer dickfl√ľssigem etwas umgeben. Das ist kein Regen!

Lara zog mich mit und wir rannten so schnell es ging in irgendeine Richtung. Schnell blickte ich nach oben, um herauszufinden, woher der vermeintliche Regen gekommen war. Da war kein heller Himmel mehr, sondern eine riesige haarige Zunge. Weiter oben konnte ich graues Fell und ein gelbes Auge erkennen. Das ist unsere Katze! Was macht Felly hier? Und warum ist sie so groß und hat Heißhunger auf mich und Lara?!

Wo wir eben noch gerutscht waren, b√ľckte sich Lara und wir versteckten uns unter zwei B√§umen.

"Hast du das gesehen!", schnappte ich nach Luft. "Das ist Felly!", f√ľgte ich aufgeregt hinzu.

Lara schien das nicht im Geringsten zu beunruhigen. Insgesamt ging es ihr gerade bestens. Als hätte sie die beste Zeit ihres Lebens.
Wie kann man sich freuen, von der eigenen Katze durch einen verwunschenen Wald gejagt zu werden?

"Ist es dir noch nicht aufgefallen?", bemerkte sie mit allwissendem Blick. "Als du in mich gerannt bist, sind wir geschrumpft".
"Vor ein paar Wochen hab ich bemerkt, was meine Kresse kann."

"Kresse?", fragte ich verwundert. "Was willst du mit Kresse?"

"Hast du noch nie Kresse gesehen, oder bist du heute schwer von Begriff?", schaute sie mich verdutzt an.

Waaait, meint sie etwa …? "Du willst mir erklären, dass deine Kresse uns in eine magische Welt teleportiert hat und unsere Katze jetzt sowas wie die böse Hexe ist?"

"Naja, eher das wir einfach nur kleiner geworden sind. Meine Kresse erf√ľllt W√ľnsche", erl√§uterte sie mit leuchtenden Augen. "Idk vielleicht hast du dir irgendwas gew√ľnscht als du in mich und die Kresse gestolpert bist."

"Und das erz√§hlst du mir jetzt erst?! Aber okay, das ergibt langsam wenigstens Sinn", sagte ich, w√§hrend ich versuchte, die ganze Situation zu verarbeiten. "Wie kommen wir jetzt wieder zur√ľck?"

Lara zuckte mit den Schultern. "Ich bin mir nicht sicher. Meistens muss ich einfach nur einen St√ľck Kresse essen, einen Wunsch aussprechen und die Kresse wird es erf√ľllen."

"Von einem der Bl√§tter, die eine Milliarde Meter hoch √ľber uns wachsen?", entfuhr es mir emp√∂rt.

Lara lachte: "Yes, eine einfachere Idee w√§re nat√ľrlich eins der Bl√§tter da dr√ľben √ľberm Boden".

"Aber wie sollen wir das machen, ohne dass Felly uns erwischt?", erwiderte ich besorgt. Unsere riesige Katze schien immer noch nach uns zu suchen.

Meine etwas √ľberm√ľtige Schwester hatte anscheinend einen Plan.
Erschreckt sah ich nur noch, wie sie losrannte und gen√ľsslich in eins der Bl√§tter biss. Anscheinend schmeckte es ihr. Ich hatte dabei noch nie was f√ľr Kresse √ľbrig gehabt.

So schnell wie sie losgerannt war, war sie verschwunden.
Alles war ruhig.
Eine paar Sekunden später wurde es hell, das Schnurren wurde leiser und Felly war auch weg.

Mein Moment.
Ich kroch aus unserem Versteck heraus und ging vorsichtig zu den Bl√§ttern r√ľber.
Ein Bissen. Grauenvoll. Wie kann Lara nur so etwas Scharfes mögen?
Was sollte ich mir w√ľnschen? Dass ich wieder in meine Welt zur√ľckm√∂chte? Oder dass ich gro√ü sein m√∂chte? Lara h√§tte mir sagen sollen, was ich mir w√ľnschen soll.

Uuuh wait. Ich w√ľnsch‚Äô mir einfach das gleiche, was Lara sich gew√ľnscht hat.

Okay, noch ein Biss in die scharfe Kresse zur Sicherheit. Und: "M√§chtige Kresse, ich w√ľnsch‚Äô mir genau das, was Lara sich gew√ľnscht hat. Bring mich zu ihr."

Augenblicklich wurde alles heller, alle Farben kr√§ftiger. Formen verschwammen im Leuchten der Farben. Die B√§ume schienen zu schrumpfen, und der Boden unter meinen F√ľ√üen f√ľhlte sich wieder normal an. Pl√∂tzlich war es dunkel. Ich √∂ffnete die Augen und stand im Flur, indem ich vorher in meine Schwester gestolpert war.

Felly schnurrte zufrieden um Lara herum. Auf dem Boden lag der blaue Teller mit Kresse.
Die Katze und Lara blickten mich erleichtert an: "Du hast es geschafft!"

"Das war echt verr√ľckt", sagte ich, freudig, aber auch leicht verst√∂rt.

Wir gingen zum Esstisch. Auf dem Weg nahm ich den Teller vom Boden und stellte ihn neben mir auf den Tisch. Dort pitchte ich einen Kresse-Halm ab. W√§hrend ich ihn a√ü, w√ľnschte ich mir: "Lass mich Kresse m√∂gen, damit ich mir noch ganz oft etwas w√ľnschen kann."
Noch während ich kaute, wurde die Schärfe angenehmer.

Die Wunsch-Kresse klappt noch immer!



Laras Geheimnis!

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